Dieser Wochenimpuls fand ich sehr spannend zu bearbeiten. Es ist unglaublich, wie viele Menschen für einen einfachen Alltagsgegenstand von mir arbeiten. Ich nehme das Beispiel "20 Minuten". Jeden Morgen greife ich in den Zeitungskasten und nehme mir die Gratiszeitung. Jemand hatte frühmorgens einen riesigen Zeitungsstapel dort hineingehievt, zuvor brachte ein Fahrer die Zeitungsbündel dorthin. Der Fahrer holte die Zeitungen bei einer Druckerei ab, wo viele Personen damit beschäftigt waren, die Zeitungen zu ordnen. Vor der Druckerei befand sich meine 20Minuten in der Redaktion, wo viele Ressorts den Auftrag hatte, einigermassen interessante Berichte zu erstatten. Die Berichte konnten nur nach mühevollen Recherchen geschrieben werden und mussten danach zum Layouter, damit dieser das äussere Bild der Zeitung kontrollieren und gestalten konnte.
Diese Unzahl an Arbeitern waren also an meinem Handgriff zur Gratiszeitung beteiligt. Ein anderes Beispiel ist mein Handballtraining. Ich profitiere dort, indem ich neue Taktiken und Techniken erlerne, Kondition und Kraft aufbaue. Damit ich trainieren kann, brauche ich ein Team und einen Trainer. Dieses Team ist durch viel Mund zu Mund Propaganda entstanden. Es wurde ja kein Inserat aufgeschaltet à la: "Leute gesucht!" Nein, durch die Jahre ist dieses 16köpfige Team entstanden. Des Weiteren benötige ich eine Turnhalle und Material. Dies wird mir von der Stadt Wil bereit gestellt. Der Hallenabwart sorgt für den einwandfreien Zustand aller Utensilien und die Putzfrauen schauen für eine einigermassen angenehme Sauberkeit.
Tja, wenn ich mir das so überlege, dann bin ich mir sehr sicher, dass sich kaum ein Mensch bewusst ist, wie viele Personen indirekt und direkt für einen arbeiten. Es ist ein riesiges System an Geben und Nehmen, an Abhängigkeit und Füreinanderdasein. Auf unser Blogthema bezogen, gilt das natürlich auch. Viele Konzerne mit unzähligen Mitarbeitern produzieren Sonnencrèmes, -hüte und -schirme. Vertriebe verkaufen diese und wir nutzen sie.
Ich denke, wenn man sich immer wieder bewusst macht, wie viel von einem einfachen Alltagsgegenstand abhängt, so kann man diesen intensiver geniessen. Ich werde mir vornehmen, morgen früh meine 20 Minuten etwas würdevoller zu lesen...
Carmen Merz, LG 04 A
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
4 Kommentare:
Mir hat besonders deine Vernetzung mit dem Handballverein gefallen. Dass unsere täglichen Genussmittel (ich zähle jetzt die 20 Minuten auch dazu) einen langen Weg hinter sich haben, ist mir noch eher bewusst, als dass ein Verein so viel Organisation braucht. Eigentlich ist es wahnsinnig, von wem wir tagtäglich abhängig sind, ich dachte bis jetzt vor allem an meine Eltern, auch aus finanzieller Sicht. Dabei wirft dieses Thema viel grössere Kreise!
Also, geniessen wir die 20 Minuten morgen etwas mehr und denken kurz, bevor wir im Zug einschlafen, an die vielen Menschen, die uns mit dieser Zeit einige Minuten verschönern....
Selina Weber LGA04
Diese Abhängigkeiten hast du gut beschrieben. Bedeutend finde ich, dass alle füreinander arbeiten, also wie du sagst ein Geben und Nehmen vorhanden ist. Leider gibt es immer einige Menschen, die sich aus diesem Zusammenspiel herausnehmen und nur die Rolle der Nehmer einnehmen.
Zum Thema "20 min". Ich lese die 20 min oft ziemlich rasch und achtlos, es war gut, mir einmal bewusst zu werden, was alles dahinter steckt!Vielleicht behandle ich sie nächstes Mal auch mit etwas mehr Würde...
Genau was du beschreibst in deinem Post, ist mir auch sehr bewusst geworden in dieser Woche.
Vor allem eben auch, wie viele Bereiche auch nur dank freiwilliger Mitarbeit geleistet werden kann.
Das sehe ich auch in unserem Badmintonclub. Unser Trainer erhält schon eine kleine Entschädigung für die Trainings, aber das ist Nichts im Vergleich dazu, was er alles für den Verein macht.
Mir ist es ähnlich ergangen wie wahrscheinlich den meisten Schreibenden. Zusammenhänge, die man - wenn man darüber nachdenken würde - eigentlich kennt, werden einem plötzlich bewusst. Ich finde es interessant, dass du das Thema 20Minuten gewählt hast. Es ist wahrscheinlich ein Thema, das alle Pendler anspricht!
Bionina schreibt, dass sich Menschen aus dem Zusammenspiel herausnehmen und nur die Rolle der Nehmer einnehmen. Ich sehe das anders, denn auch wenn man nur nimmt ist man ein Teil eines Systems mit vielen Vernetzungen. Nehmen wir mal das Beispiel 20 Minuten. Was wäre diese Zeitung, wenn sie in den Kästen liegen bleiben würde, weil niemand sie NIMMT? ;-)
Kommentar veröffentlichen